»Da ist ein Mäuschen im Garten!« ruft meine Ma. »Und es läuft nur im Kreis« fügt sie aufgeregt hinzu.
Zu diesem Zeitpunkt bin ich fünfzehn Jahre alt und sitze sehr hungrig in der Küche und kaue genüsslich auf einem Stück Pizza.
Ihr Stück Pizza liegt noch dampfend auf dem Teller, vor dem sie nicht sitzt, weil sie vor dem Küchenfenster rumzappelt und stattdessen ihre ganze Aufmerksamkeit auf diesen Punkt im großen Garten heftet und lautstark ihr Mitgefühl für dieses arme Mäuschen äußert.
Ich fasse mir ein Herz, den Punkt im Garten ebenfalls genauer in Augenschein zu nehmen. Das kleine Mäuschen zu finden ist gar nicht schwer. Es ist das einzige, was sich im Gras bewegt. Ein bräunliches Fellknäul im grasgrünen Gras, welches sich immerzu im Kreise dreht, als jage es spielerisch den eigenen Schwanz.
Und obwohl ich noch jung bin, ist mir schnell klar, dass das niedliche Mäuschen totkrank ist.
Also fasse ich mir ein weiteres Mal ein Herz und außerdem einen großen Stein. Es bricht mir das Herz, aber meine Vernunft überwiegt. Beiseite wische ich die naive Verzückung. Ich spüre die Kälte des Steins und schließe kurz meine Augen…
Ich schaue zum Fenster, aus dem meine Ma noch immer schaut. Ihr Blick ruht jetzt auf mir, während ich das tote Mäuschen in die hinterste Ecke des Gartens lege.
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Bild: KI generiert auf WordPress
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